Arbeitslosenstatistik und Renditeterroristen
Prinzipiell habe ich keine Lust, über Arbeitslosenstatistik zu schreiben. Da blickt doch kaum noch einer durch. Ein Lügentheater der Sonderklasse.
Strukturelle Arbeitslosigkeit haben wir seit dem Ende der siebziger Jahre. Immer mehr Maschinen machen immer mehr Arbeit, die zuvor von Menschen gemacht wurde. Ein Excell-Programm macht die Arbeit einer ganzen Abteilung in minutenschnelle.
Irgendwann - das war in den USA schon Mitte der siebziger Jahre klar - geht das nicht mehr so weiter. Dort forderte ein Ingenieur zum ersten Mal die Einführung eines Bürgergeldes, weil schlichtweg die Arbeit tagtäglich weniger wird.
Aber die Renditeterroristen haben hier ihren klaren Profit gesehen: ein großes Arbeitslosenheer schwächt die Gewerkschaften, senkt den Krankenstand und motiviert die vielen Arbeitsameisen dazu, schneller und billiger zu arbeiten. Das sichert gute Rendite.
Darum durften wir die Arbeitslosenheere behalten, trotz des sicheren Bewußtseins, das diese Kultur der Angst der Gesundheit schadet und somit das Sozialbudget noch weiter erhöht.
35 Jahre später sind wir immer noch nicht weiter, denn 30 Jahre später haben SPD und Grüne in Zusammenarbeit mit Renditeterroristen einen ganz neuen Gag gefunden:
Wir tun einfach mal wider besseren Wissens so, als ob es Millionen von unbesetzten Arbeitsplätzen gäbe und die Arbeitslosen selbst Schuld sind an ihrem Zustand. Sündenböcke kommen in Deutschland immer gut an und lenken vom eigentlichen Problem gut ab. Fünf Jahre später merkt man: das war teuer und sinnlos, hat vielen Menschen das Leben und die Gesundheit gekostet und viel Haß auf beiden Seiten geschührt.
Nun, bessser, die Bürger hassen sich gegenseitig als das sie anfangen, nach den Ursachen der Misere zu suchen, Ursachen, die nach der Finanzkrise (die offiziell ganz oft wieder vorbei war) kurz mal das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben und jetzt ganz schnell wieder in Vergessenheit geraten werden.
Hierzu ... braucht man natürlich eine Statistik. An die glaubt aber selbst die konservative WELT nicht mehr:
http://www.welt.de/wirtschaft/article4441515/Arbeitslosenzahlen-sehen-besser-aus-als-sie-sind.html
Kann sich noch jemand an das Versprechen der DAX-Konzerne erinnern, keine Arbeitsplätze in der Krise abzubauen? Wie üblich sind die Versprechen der Renditeterroristen nur Versprecher, wenn man im nachhinein hinschaut:
http://www.welt.de/wirtschaft/article4421952/Dax-Konzerne-streichen-50-000-Arbeitsplaetze.html
Seit Krisenausbruch
Dax-Konzerne streichen 50.000 Arbeitsplätze
(57) Von B. Beeger, J. Hartmann, J. Hildebrand und F. Wisdorff 29. August 2009, 12:39 Uhr
Die deutschen Großunternehmen antworten auf die Wirtschaftskrise zunehmend mit Stellenabbau. Nach einer Berechnung der "Welt am Sonntag" haben die 30 Dax-Konzerne bislang 50.000 Jobs gestrichen, davon 30.000 in Deutschland. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) glaubt trotzdem, dass die Zahl der Arbeitslosen unter einer wichtigen Marke bleiben wird.
Es ist eine alte Börsenweisheit, das Stellenstreichungen immer zu Kursgewinnen führen. Je mehr Arbeitslose, umso glücklicher der DAX. Die Kosten übernimmt ja der Steuerzahler, der letztlich immer für den Renditewahn geradesteht. Dafür bürgt die Politik auf Kosten der Bürger.
Bringen wir nämlich nicht die geforderten 25 %, dann ist die ganze Welt in Gefahr. Die mächtigen amerikanischen Pensionsfonds brauchen nämlich diese Rendite, sonst bricht die Rentenversorgung in den USA zusammen ... und das würde den sicheren Zusammenbruch der USA bedeuten (wir berichteten).
Eine Wahrheit, die niemand gerne hören möchte. Schon lange sind wir alle Arbeitssklaven geworden, ohne es zu merken. Aber damit wir das nicht merken, arbeitet man mit Hochdruck an Ersatzrealitäten via TV, die uns für den Moment eine schöne heile Welt vorspielen können.
Und so dämmern wir ziel- und haltlos vor uns hin, obwohl wir es besser wissen könnten:
http://www.handelsblatt.com/journal/kultur-lifestyle/gier-reicht-als-erklaerung-nicht-aus;2466552;2
Nikolaus Piper reichten die umlaufenden Erklärungen nicht aus. „Die sind alle nicht falsch, aber sie erklären nicht das ungeheure Ausmaß der Krise“, erklärt er, „Gier zum Beispiel gab es schon immer.“
„Wirtschaft verstehen“ heißt das Motto des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises. Welche zusätzlichen positiven Nebenwirkungen die intensive Lektüre von Wirtschaftsbüchern haben kann, erklärte die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel am Donnerstagabend bei der Preisverleihung: „Wenn wir mehr verstünden, wären wir vielleicht besser in der Lage zu erkennen, wie sich manchmal die bonusgetriebene Renditesteigerung sehr bewusst das fehlende Verständnis für wirtschaftlicher Zusammenhänge zunutze macht.“
Ob allerdings die Lektüre der Wirtschaftsbücher viel ändern würde, darf bezweifelt werden. Nach wie vor ist unser ganzes Leben in den Händen von Banken. Ohne Banken läuft in unserer Gesellschaft nichts mehr.
Und wer gewinnt durch die Krise? Wer hat öffentlich demonstriert, das er Narrenfreiheit hat?
Wer hat der Regierung das Geld geliehen und verdient sich nun dumm und dämlich an immer mehr Zinsen?
Banken.
Gerettet um weiter plündern zu können.
Und da glauben manche, das "Bürgerarbeit" der letzte Weg zur Rettung der Nation ist.
Klar. Bürgerarbeit ... und beten. Letzteres hat wenigstens eine Minimalchance auf Effektivität.
Quelle: Klick
