Hartz IV ist Selbstmord auf Raten
von Grilleau @ Donnerstag, Nov. 12, 2009 – 08:06:10
Ich habe bei meinem Bloggerfreund dem Eifelphilosoph wieder mal einen erstklassigen Beitrag gefunden, den ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten möchte.
Jetzt ist ja da so ein Fußballspieler gestorben. Ich kannte den Namen überhaupt nicht. Andere schon, denn immerhin waren ja 35000 bei seiner Beerdigung. Hatte vielleicht eine große Familie?
http://www.welt.de/sport/article5177954/Die-Stille-der-Tausenden-fuer-Robert-Enke.html
Selbst hartgesottene 96-Fans mussten weinen. In Hannover versammelten sich rund 35.000 Menschen, um Abschied von Robert Enke zu nehmen. Wahrscheinlich noch nie war eine Massenveranstaltung eine so lautlose Sache wie beim spontanen Trauermarsch für den Nationaltorwart.
Aha, Nationaltorwart. Wahrscheinlich reich. Und depressiv.
Depression ist eine Volkskrankheit. Viele leiden darunter. Und sie ist ein Tabu. Vielleicht noch ein Echo des Dritten Reiches, wo man "solche Leute" einfach beseitigte. Darüber spricht man nicht, einfach mal im Wartezimmer lauschen: alle Krankheiten werden detalliert ausgebreitet - aber nichts "geistiges". Da hat man zu große Angst "weggesperrt zu werden".
Per Gesetz werden gerade tausende getötet. Da redet man nicht drüber, obwohl ihr Lebensumfeld ihnen Depressionen aufzwingt:
http://kriegspostille.blogspot.com/2009/11/hartz-iv-ist-totung-durch-armut.html
Nach dem Arbeitsplatzverlust kam für die meisten sicher erst einmal der Fall ins Ungewisse. Bekomme ich wieder eine Arbeit? Wie lange werde ich arbeitslos sein? Werde ich meine Lebensstandart halten können? Werde ich jetzt arm werden? Wie wird es weitergehen? Die Angst vor der Arbeitslosigkeit treibt die meisten schon vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit herum. Angst ist der Indikator unserer Zeit. Bei den Meisten, beginnt die Angst mit dem täglichen Gang zum Briefkasten. Wieder ein Brief von Job-Center oder Rechnungen die man gar nicht mehr bezahlen kann? Aus dieser Angst heraus hat es besonders zu Beginn der Hartz-Gesetze eine Vielzahl von Suizidhandlungen gegeben, die die Öffentlichkeit bestürzten.
Auch hier gibt es dann besonders stille Beerdigungen. Nicht, weil die tausenden so betroffen sind, sondern weil einfach keiner hingeht. War ja nur ein "Harzi", wie manche die abfälligerweise nennen.
Sozialer Sondermüll. Wertlos.
Und das ist die zentrale Erfahrung, die diese Menschen in ihrem Restleben noch machen. Arbeit - haben sie zum Teil genug. 40 % sind allein erziehende Eltern - wer das mal mitgemacht hat, weiß, das das ein 120-Stunden-Job ist ... jedenfall bei kleinen Kindern. Er wird nur nicht bezahlt, das ist der Unterschied zu jenen, die fein nach der 38,5-Stunden-Woche vor dem Fernseher sitzen.
Mit dem Eintritt in die Arbeitslosigkeit verbinden die meisten erst einmal noch die Hoffnung, baldmöglichst wieder eine Arbeit zu bekommen. Die älteren Arbeitnehmer sind, wenn sie realistisch sind, da schon vernünftiger und machen sich keine großen Illusionen mehr. Spätestens aber nach einem Jahr in der Erwerbslosigkeit erkennen die Betroffenen, dass für sie der Zug der Erwerbstätigkeit abgefahren ist.
Sie sind an der Endstation angekommen. Am Abstellgleis. Sie erleben die täglichen Enttäuschungen dauernder Absagen, die oftmals schikanösen Behandlungen in den Job-Centern, den Ärger dauernd falscher Bescheide und erkennen, meist unbewusst, dass sie überhaupt nicht arbeitslos sind, sondern erwerbslos. Arbeit mit Behörden und Bescheiden haben sie meist mehr als vor ihrer Erwerbslosigkeit. Nur bezahlt werden sie dafür nicht. Was ihnen fehlt, ist die bezahlte Erwerbsarbeit, die ihnen auch das Überleben sichert.
Zu Tode verwaltet per Gesetz. Mit Gewalt in die Depression gejagt, damit sie endlich "den Enke machen" und dem Sozialbudget nicht mehr länger auf der Tasche liegen?
Hierzu ein Zitat von der von mir hoch geschätzten Vivianne Forrester, einer damals 82-jährigen Französin, die eigentlich sehr deutlich beschrieben hat, was in Zukunft auf uns zu kommt. Damals wollte es keiner hören (dabei waren die Gedanken ziemlich einfach und alles andere als konstruiert), heute ist es da:
Denn nichts lähmt und schwächt derart wie die Schmach. Sie gräbt an der Wurzel an und untergräbt jede Tatkraft. Sie degradiert Menschen zu beliebig beeinflussbaren Objekten und reduziert alle, die unter ihr leiden, zu wehrlosen Beute. Daher der Reitz der Mächtigen, sich ihrer zu bedienen und sie zu verbreiten. Die Schmach erlaubt es, Gesetze aufzustellen, ohne auf Gegner zu stoßen, und sie dann zu übertreten, ohne Protest befürchten zu müssen. Die Schmach führt in eine ausweglose Situation, sie verhindert jeglichen Widerstand. Die Scham sollte an der Börse gehandelt werden, sie ist ein wichtiger Grundstoff des Profits“.
Dieses Zitat stammt aus dem preisgekrönten Werk „Terror der Ökonomie“ von Viviane Forrester, das sie bereits 1996, also zu einer Zeit als es noch kein Hartz IV gab, geschrieben hat. Heute ist es aktueller denn je.
Schmach ist die Erklärung dafür, das so viele von Hartz-IV abhängig geworden sind und sich nicht wehren können. Denn die Schmach ... macht depressiv. Und damit die Schmach auch kommt, halten alle zusammen:
Das Mittel der gesellschaftlichen Entsolidarisierung, betrieben durch z.B. Deutschlands größte Tageszeitung, die überall, derzeit für 0,60€, zu erwerben ist, als Teil eines Medienkonglomerats des Axel Springer-Verlags und der Bertelsmanngruppe im Verbund mit SAT1, PRO7 und RTL und immer wiederkehrenden Äußerungen von Selbstdarsteller unserer Republik, welche größtenteils Mitglieder der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (gemeint ist natürlich weniger soziale Marktwirtschaft) sind, klappt in Deutschland auffallend gut. Egal ob Medienhetze, Politikerschelte, Sarrazins Ernährungstipps für ausgewogene Mahlzeiten, oder die Studien zweier Chemnitzer Professoren, es wird keine Möglichkeit ausgelassen, Erwerbslose und Hartz IV-Emfpänger öffentlich zu denunzieren wo es nur geht. Deutschland hat aus seiner Geschichte überhaupt nichts gelernt. Nur heute geschieht das alles wesentlich subtiler.
Eigentlich das, was ich befürchte. Es wird bald wieder Lager geben. Irgendwann werden auch die zu teuer und man wird preisgünstige Endlösungen suchen müssen. Da folgt die Geschichte einer fürchterlich einfachen Logik, die sich entfaltet, sobald man Menschen als "Kosten auf zwei Beinen" definiert, als unerwünschte Elemente der Gesellschaft.
Zuviel befürchtet? Es ist schon längst so weit. Aber ... nicht alle heißen Enke.
Hartz IV ist Tötung durch Armut. Das mag sich zunächst brutal anhören, ist aber eine Tatsache. Alleine dass die wahrscheinliche Sterberate bei Erwerbslosen und Armen um ein vielfaches höher ist, als bei Arbeitenden und Normalverdienern, belegt diese Aussage.
Es ist oftmals ein langsames, leises Sterben. Es beginnt mit dem Verlust jeglicher Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, Empfindungen, Interesse an Dingen, die eigentlich reizvoll wären, Es mündet oft in Desinteresse, Teilnahmslosigkeit, Lustlosigkeit, Trägheit, Depression, Kraft- und Energielosigkeit und steigert sich ,oft selbst unbemerkt, in unregelmäßiger Nahrungsaufnahme mit einem Essen, dem es an jeglichen gesunden Nährstoffen fehlt.Gesunde Ernähung ( Obst, Gemüse, Fisch u. v. m.) ist auf Grund mangelnder ökonomischer Verhältnisse gar nicht möglich. Erkrankungen kommen oft auch durch mangelnde ärztliche Vorsorge, weil oftmals nicht mal mehr die 10.-€ Praxisgebühr aufgebracht werden können. So wird Vieles schleifen gelassen, bis es oftmals zu ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. Zahnersatz kann schon gar nicht mehr garantiert werden. Mit mangelhaftem und von Zahnlücken übersätem Gebiss kann keine dauerhafte gesunde Ernährung mehr erfolgen. Wenn nicht der Freitod gewählt wird, so sorgen schon der Verzehr von billigem Fraß für ein verfrühtes Ableben. Kummer, Sorgen, Gram und Angst sorgen für das Übrige.
Das ist die indirekte Vernichtung unwerten Lebens. Viele finden das gut. Es ist Volksvernichtung im großen Stil - und alle schauen zu, weil die Arbeitslosen ja "faul" sind. Früher reichte es zu sagen, es seien "Juden".
Es gleicht jener Strategieänderung bei der Belagerung von Burgen - nicht der direkte Angriff auf das Lebend es Burgherren wird gewagt, sondern das Aushungern wird zum Erfolg führen. Der Hunger hat selbst die mächtigsten Festungen zu Fall gebracht.
Deshalb würde ich auch nicht von Tötung per Gesetz sprechen, sondern von Mord, denn die Folgen der Behandlung von Hartz-Abhängigen sind wissenschaftlich klar verifizierbar:
Beschwerden Erwerbstätige:
Umfrage: von 226 Erwerbstätigen 19% demoralisiert
Keine entstrukturierte Zeitgestaltung
9% trinken regelmäßig Alkohol
In 1000 Versicherungsjahren:
116 Krankheitstage wegen psychiatrischen Erkrankungen
12% stationäre Leistungstage im Kalenderjahr
Risiko früher zu versterben: 09%Beschwerden Erwerbslose
Umfrage: von 226 Erwerbslosen 43% demoralisiert
48% Zeitgestaltung entstrukturiert
46,8% trinken täglich Alkohol
In 1000 Versicherungsjahren: 876 Krankheitstage wegen psychiatrischer Erkrankungen
36% stationäre Leistungstage im Kalenderjahr
Risiko früher zu versterben: 47%
Eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit zu versterben. 500 % gegenüber dem Normalverdiener. Messer im Bauch oder Schusswunden dürften ähnlich liegen ... sie sind nur nicht so subtil. Deshalb nenne ich das
lieber Mord ... denn die Folgen sind ja bekannt.
Nun ... Che Argevarra geht es auch nicht gut, nebenbei bemerkt. Das hat viele Gründe, die ich nicht veröffentlichen darf. Noch nicht. Es geht nicht ums Geld, er beherrscht die Kunst, mit sehr wenig auszukommen. Er kämpft gegen die Schmach an. Trinkt nicht, raucht nicht, ist aber fest entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Und doch ... bleibt das alles nicht in seinen Klamotten hängen.
Wenn er jetzt einfach mal Schluß macht....merkt das kein Schwein. In den Tod getrieben per Gesetz - keine Sau interessierts.
Vielleicht sollte er Fußball spielen, dann wird er zu einem deutschen Held und alle nehmen Anteil an seinem Schicksal.
So jedoch ist er der Jude des deutschen 21. Jhd. - und es gibt viele, die ihn das spüren lassen in seinem persönlichen Umfeld. So ... kann man schlecht Kriege gewinnen.
Quelle: Eifelphilosoph Klick