Grundeinkommen jetzt
Karl Reitter: Garantiertes Grundeinkommen jetzt!
Arbeitslos
Der gesellschaftliche Umgang mit Arbeit zeigt sich nirgendwo klarer als beim Umgang mit der Arbeitslosigkeit. Die Vielzahl und die Besonderheiten der Arbeits- und Erwerbsformen sind in der Arbeitslosigkeit ausgelöscht. Die Arbeitslosigkeit ist der Spiegel der Arbeit. Arbeit tritt uns als Arbeitslosigkeit sozusagen in reiner Form entgegen. Wollen wir wissen, was über Arbeit gedacht wird, fragen wir nach der Arbeitslosigkeit.
Das Feld, in dem gesellschaftlich der Konflikt um die Definition der Arbeit aufbricht und aufbrechen muss, ist also die Arbeitslosigkeit. Schon der Ausdruck ist fatal: arbeits-los, nicht etwa arwerbs-los, einkommens-los?! Wer arbeitslos ist, arbeitet per definitionem nicht, so emsig, betriebsam, aktiv er oder sie auch sein mag. Dass Tätigkeit jenseits der Erwerbsarbeit, jenseits des Kapitalverhältnisses buchstäblich nichts gilt, gar nicht vorhanden ist, das zeigt der Ausdruck „arbeitslos“. Die Forderung nach dem Grundeinkommen protestiert gegen diese repressive Gleichsetzung von Arbeit mit Erwerbsarbeit. Umgekehrt kann KritikerInnen dieses Konzepts kaum das Zugeständnis entlockt werden, es gebe jenseits der Lohnarbeit eine gesellschaftliche Dimension, die einen erweiterten Arbeitsbegriff erfordert, um wahrgenommen und anerkannt zu werden.
Was bedeutet es also, arbeitslos zu sein, abgesehen von der trivialen Tatsache des Verdienstentganges? Wer soll darüber sprechen? Die Arbeitslosen?
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