23.01.2010

“Ja,” werden jetzt viele sagen, “das hat es gegeben!” Im Dritten Reich, da waren rd. 7,6 Millionen Menschen in den Dienst der deutschen Wirtschaft gezwungen worden. Die meisten werden sich an die “Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft” erinneren und daran, dass dieselbe erst auf massiven internationalen Druck zu Stande gekommen ist. Erst nachdem die Deutschland AG, die über den nationalen Zusammen- bruch von 1945 hinaus und nachhaltig von Zwangsarbeit profitiert hatte, Rufschädigung und damit globale Absatzverluste fürchten musste, waren deutsche Wirtschaft und Politik bereit, sich unserer historischen Verantwortung zu stellen.

Einige werden sagen, dass es damit aber auch gut sei. Irgendwann einmal müsste auch ein “Schlußstrich” gezogen werden. Nach mehr als sechs Dekaden hätten wir anderes zu tun, als in steter Vergangenheitsbewältigung zu verharren…

Wir, die wir diese Website betreiben, meinen, dass wir in der Tat die Zukunft zu bestehen haben. Eine Zukunft, die mehr als ungewiss ist und von der wir nichts zu erwarten haben werden, insofern wir nicht allererst die Gegenwart zukunftsfähig zu gestalten in der Lage sein werden. Und damit dies geschehe, haben wir den Blick zurück notwendig! Die dunklen Stunden unserer - deutschen - Geschichte sind noch nicht so fern, alsdass das Bewußtsein ihrer die neue Berliner Realpolitik nicht ohne wenn und aber verbieten würde. Wir sind deshalb wohl beraten, unsere Vergangenheit stets gegenwärtig zu halten!

Zwangsarbeit? In Deutschland?

Ja, die gibt es! Gerade hier und heute gibt es die! Langzeitarbeitslose, Migranten und Strafgefangene werden in großer Zahl - unter Sanktionsandrohungen von staatlicher oder privatunternehmerischer Seite - in ausbeuterischer Absicht und gegen ihren freien Willen zu Zwangs- und Pflichtarbeit gezwungen.

Zwangsarbeit? In Deutschland?

Nein, die dürfte es hier bei uns eigentlich nicht mehr geben! Internationale, völkerrechtsverbindliche und von der Bundesrepublik ratifizierte Abkommen verbieten dies ausdrücklich und unbedingt!

Das Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit (C029) zählt zu den Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) und definiert “Zwangs- und Pflichtarbeit” gem. Art. 2 Abs. 1 wie folgt:

“Als Zwangs- und Pflichtarbeit im Sinne dieses Übereinkommens gilt jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.”

Die Bundesrepublik Deutschland hat dieses Übereinkommen am 13. Juni 1956 ratifiziert. Es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Kraft und jeder Mensch in Deutschland hat das uneingeschränkte Recht, sich hierauf zu berufen, gleich welchen Status sie oder er auch immer inne haben mag!!!

Weil dies so ist und weil wir wissen, dass Mirgranten zu einem überdurch- schnittlich hohen Anteil der Zwangs- und Pflichtarbeit in Deutschland zum Opfer fallen, zitieren wir an dieser Stelle den Art. 2 Abs. 1 des Abkommens über Zwangs- und Pflichtarbeit in den drei Amtsprachen der ILO:

“For the purposes of this convention the term forced or compulsory labour shall mean all work or service which is exacted from any person under the menace of any penalty and for which the said person has not offered himself voluntarily.”

“A los efectos del presente Convenio, la expresión trabajo forzoso u obligatorio designa todo trabajo o servicio exigido a un individuo bajo la amenaza de una pena cualquiera y para el cual dicho individuo no se ofrece voluntariamente.”

“Aux fins de la présente convention, le terme travail forcé ou obligatoire désignera tout travail ou service exigé d’un individu sous la menace d’une peine quelconque et pour lequel ledit individu ne s’est pas offert de plein gré.”

Zwangsarbeit im gegenwärtigen Deutschland -

dafür, dass das längst überwunden Geglaubte gegenwärtig ist, möchten wir auf diesen Seiten sensibilisieren. Wir möchten berichten über gegenwärtige Erscheinungsformen von Arbeitszwang und über ökonomische und politische Hintergründe. Indem wir dies tun, möchten wir historische Parallelen stets gegenwärtig halten - wir möchten erinnern und nicht vergessen!

Betroffene von Zwangs- und Pflichtarbeit im gegenwärtigen Deutschland können hier Kontakt zu uns aufnehmen. Helfen Sie mit, das Schweigen über Menschenrechtsverletzungen zu brechen, die eines modernen Rechtsstaats nicht würdig sind! Wir sichern Ihnen jede gewünschte Anonymität und Diskretion zu und veröffentlichen keinen Bericht ohne Ihr ausdrückliches Einverständnis.

Quelle Klick

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